Auf fast jedem Kassenbon steht sie, und trotzdem fragt sich fast jeder einmal: Was ist die Mehrwertsteuer eigentlich? Kurz gesagt: Sie ist eine Steuer auf den Konsum. Wer etwas kauft, zahlt sie mit – ohne dass sie auf dem Preisschild extra ausgewiesen wird. Denn im Laden zahlen Sie fast immer den Bruttopreis, in dem die Steuer bereits enthalten ist.
Mehrwertsteuer einfach erklärt
Die Mehrwertsteuer – abgekürzt MwSt. – heißt im Gesetz eigentlich Umsatzsteuer. Sie ist eine Verbrauchssteuer: Besteuert wird nicht Ihr Einkommen, sondern das, was Sie ausgeben. Jedes Unternehmen, das Waren verkauft oder Dienstleistungen anbietet, schlägt die Steuer auf den Nettopreis auf und führt sie an das Finanzamt ab.
Für das Unternehmen selbst ist die Steuer nur ein Durchlaufposten. Es kassiert sie vom Kunden, darf aber gleichzeitig die Steuer, die es selbst auf seine Einkäufe gezahlt hat, als sogenannte Vorsteuer abziehen. Am Ende zahlt jedes Unternehmen nur Steuer auf den Wert, den es selbst hinzugefügt hat – daher der Name Mehrwertsteuer. Die volle Steuerlast trägt am Ende der Kette der Endverbraucher, also Sie als Käufer.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Deutschland?
In Deutschland gibt es zwei Sätze:
- 19 Prozent – der Regelsatz: Er gilt für die meisten Produkte und Dienstleistungen, zum Beispiel Kleidung, Elektronik, Möbel oder Handwerkerleistungen.
- 7 Prozent – der ermäßigte Satz: Er gilt unter anderem für Lebensmittel, Bücher, Zeitungen und viele kulturelle Angebote. Seit dem 1. Januar 2026 gilt der ermäßigte Satz auch für Speisen in Restaurants und Verpflegungsdienstleistungen – Getränke sind davon ausgenommen.
Ein Beispiel: Kostet ein Buch netto 10 Euro, zahlen Sie an der Kasse 10,70 Euro – 70 Cent davon sind Mehrwertsteuer. Bei einem Kleidungsstück für netto 100 Euro sind es 119 Euro, also 19 Euro Steuer. Rechnen können Sie so: Nettopreis mal 1,19 ergibt den Bruttopreis beim Regelsatz, mal 1,07 beim ermäßigten Satz.
Was ist die Vorsteuer?
Die Vorsteuer ist die Mehrwertsteuer, die ein Unternehmen selbst auf seine Einkäufe gezahlt hat. Ein Händler, der Ware für netto 100 Euro plus 19 Euro Steuer einkauft und für netto 200 Euro plus 38 Euro Steuer verkauft, muss nur die Differenz von 19 Euro an das Finanzamt abführen. So wird verhindert, dass dieselbe Steuer mehrfach auf denselben Wert erhoben wird – besteuert wird nur der Mehrwert von 100 Euro.
Für Sie als Privatkunde spielt die Vorsteuer keine Rolle: Sie können sie nicht abziehen. Sie zahlen den Bruttopreis, und damit ist die Sache erledigt. Anders ist das nur, wenn Sie selbst unternehmerisch tätig sind.
Wer muss Mehrwertsteuer zahlen – und wer nicht?
Grundsätzlich muss jedes Unternehmen in Deutschland Umsatzsteuer auf seine Verkäufe erheben und in regelmäßigen Voranmeldungen an das Finanzamt abführen. Eine wichtige Ausnahme ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz: Wer im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 25.000 Euro Gesamtumsatz hatte und im laufenden Jahr unter der gesetzlichen Grenze bleibt, kann sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Solche Unternehmer weisen auf ihren Rechnungen keine Mehrwertsteuer aus – und dürfen im Gegenzug auch keine Vorsteuer abziehen.
Auch manche Leistungen sind von der Steuer befreit, etwa bestimmte Heilbehandlungen oder Versicherungsleistungen. Das ist aber die Ausnahme, nicht die Regel.
Wo sehe ich die Mehrwertsteuer im Alltag?
Am deutlichsten auf dem Kassenbon und auf Rechnungen: Dort stehen Nettobetrag, Steuersatz und Steuerbetrag getrennt. Im Geschäft selbst sehen Sie dagegen fast immer nur den Bruttopreis – die Steuer ist bereits eingerechnet. Das ist auch der Grund, warum die Mehrwertsteuer oft unbemerkt bleibt: Sie zahlen sie bei jedem Einkauf, ohne sie eigens zu überweisen.
Merken Sie sich also drei Dinge: Die Mehrwertsteuer ist eine Steuer auf den Konsum, sie beträgt in Deutschland 19 oder 7 Prozent, und sie wird von Unternehmen nur durchgereicht – bezahlt wird sie am Ende vom Käufer.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer?
Im Alltag ist es dasselbe: Die Mehrwertsteuer ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Umsatzsteuer. Rechtlich geregelt ist sie im Umsatzsteuergesetz.
Warum gibt es zwei Steuersätze?
Der ermäßigte Satz von 7 Prozent soll Güter des täglichen Bedarfs – vor allem Lebensmittel, Bücher und Kultur – günstiger halten als andere Waren.
Kann ich als Privatperson die Mehrwertsteuer zurückbekommen?
Nein. Nur Unternehmer können gezahlte Vorsteuer geltend machen. Privatleute zahlen den Bruttopreis endgültig.
Ist die Mehrwertsteuer auf jedem Bon gleich hoch?
Nein – sie hängt vom Produkt ab. Lebensmittel werden meist mit 7 Prozent besteuert, die meisten anderen Waren und Dienstleistungen mit 19 Prozent.



