Die ersten Herbststürme haben an der niedersächsischen Nordseeküste deutliche Spuren hinterlassen – und auf Norderney steht ein beliebter Strandabschnitt vor dem Aus: An der Weißen Düne haben zwei leichte Sturmfluten mehr als sechs Meter Düne weggespült. Das Staatsbad geht inzwischen davon aus, dass dort im kommenden Jahr nichts mehr aufgebaut wird.
Was an der Weißen Düne passiert ist
Zwei leichte Sturmfluten trafen die niedersächsische Nordseeküste und die Ostfriesischen Inseln am vergangenen Sonntag und Montag. Die erste Sturmflut erreichte die Inseln spätabends am Sonntag. Am Pegel Norderney Riffgat lag das Hochwasser 1,85 Meter über dem mittleren Tidehochwasser, am Pegel Spiekeroog 1,91 Meter.
An der Weißen Düne, einem der bekanntesten Badestrände Niedersachsens, trug das Wasser besonders viel Sand ab. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) schätzt den Dünenrückgang dort auf mehr als sechs Meter. Meterhohe Abbruchkanten sind entstanden, Abgänge zum Strand gibt es in diesem Abschnitt keine mehr. Schilder warnen vor dem Betreten – wer sich der Kante nähert, läuft Gefahr, dass der Sand unter ihm wegbricht.
Besonders bitter: An der Weißen Düne fehlte schon zuvor Sand. Das Staatsbad hatte den Badebetrieb dort bereits im Sommer aufgegeben, nur einige Strandkörbe standen noch. „Stand jetzt ist die Tendenz, dass da im nächsten Jahr nichts mehr aufgebaut wird“, sagte ein Sprecher des Staatsbads. Der Strandabschnitt müsse wohl zunehmend der Natur überlassen werden.
Wangerooge trifft es noch härter
Noch dramatischer ist die Lage auf Wangerooge: Dort rissen die ersten Herbststürme ein „gewaltiges Loch“ in den Hauptbadestrand, wie die Kurverwaltung mitteilte. Rund die Hälfte des aufgeschütteten Badestrandes ging verloren, nach Schätzungen fehlen mehr als 40.000 Kubikmeter Sand. Die Insel rechnet mit Kosten von mehr als 300.000 Euro, um den Sand für die neue Badesaison im Frühjahr wieder aufzubringen. Der stellvertretende Bürgermeister Peter Kuchenbuch-Hanken warnte, dass weitere Sturmfluten auch den verbliebenen Strand abtragen könnten – dann lägen die Wiederherstellungskosten zwischen 500.000 und einer Million Euro.
Auch die anderen Ostfriesischen Inseln sind betroffen: Auf Borkum, Juist, Langeoog und Spiekeroog spülten die Fluten Sand vor den Schutzdünen weg. Auf Juist ging die Dünenkante im Westteil um bis zu fünf Meter zurück, auf Langeoog bildete sich vor der Schutzdüne am Pirolatal eine bis zu vier Meter hohe Abbruchkante. An den Nord-Ost-Dünen auf Wangerooge meldet der NLWKN im Mittel etwa vier Meter Sandverlust.
Entwarnung für den Küstenschutz – aber die Saison beginnt erst
Trotz der Schäden gibt der NLWKN Entwarnung, was die Sicherheit angeht: „Zusammenfassend ist die Sturmflutschutzfunktion der Schutzdünen vollständig gegeben. Es liegt keine Gefährdungslage vor.“ Die Schutzfunktion der Dünen ist also nicht beeinträchtigt – verloren gegangen ist vor allem der Badestrand vor den Dünen, nicht der Schutz dahinter.
Doch die Sturmflutsaison, die in der Regel von Oktober bis April dauert, hat gerade erst begonnen. Ob im kommenden Jahr Strandaufspülungen für den Küstenschutz nötig werden, ist laut NLWKN noch unklar. Auf Norderney stellt sich eine grundsätzlichere Frage, die auch andere Inseln betrifft: Ein Sprecher der Kurverwaltung brachte die Zweifel drastisch auf den Punkt – das Geld für immer wieder weggespülten Sand könne man sonst auch einfacher zum Fenster rauswerfen. Welchen Strand sich die Inseln künftig noch leisten, wird eine der Fragen der kommenden Badesaison.
Häufige Fragen zur Sturmflut auf Norderney
Ist Norderney durch die Sturmflut gefährdet?
Nein, nach Einschätzung des NLWKN ist die Sturmflutschutzfunktion der Schutzdünen vollständig gegeben. Es liegt keine Gefährdungslage vor. Betroffen ist der Badestrand vor den Dünen, nicht der Schutz der Insel.
Kann man an der Weißen Düne noch an den Strand?
Nein. Es gibt dort keine Abgänge mehr zum Strand, Schilder warnen vor dem Betreten. Die Abbruchkante ist meterhoch und kann abbrechen.
Wird der Strand an der Weißen Düne wieder aufgebaut?
Nach aktuellem Stand wohl nicht. Das Staatsbad geht davon aus, dass im kommenden Jahr dort nichts mehr aufgebaut wird, weil bereits im Sommer der Badebetrieb aufgegeben wurde.



