Die Warenhauskette Galeria ist erneut insolvent – zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren. Anfang Oktober stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf. Was bedeutet das für die 83 Filialen, die rund 12.000 Beschäftigten und die Kunden? Hier die aktuellen Galeria News im Überblick (Stand: 22. Oktober 2026).
Insolvenzantrag Anfang Oktober – das Wichtigste in Kürze
Am 2. Oktober 2026 beantragte Galeria die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Düsseldorf – ohne öffentlich genannte Gründe. Drei Tage später ordnete das Gericht das vorläufige Insolvenzverfahren an. Damit steht die Warenhauskette nach 2020, 2022 und 2024 zum vierten Mal vor einer Sanierung unter Insolvenzschutz.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus. Er kennt Galeria gut: Er hatte bereits die Verfahren von 2020 und 2022 als Sachwalter begleitet. Seine Aufgabe ist es nun zu prüfen, ob sich das Unternehmen noch sanieren lässt.
Selbstverständlich war das Verfahren zunächst nicht: Aus der Insolvenz von 2024 lief noch die sogenannte Planüberwachung durch das Amtsgericht Essen. Lange war unklar, ob das Gericht den neuen Antrag überhaupt zulässt. Hätte es ihn abgelehnt, hätten die Warenhäuser sofort schließen müssen.
Insolvenzgeld für die Beschäftigten bewilligt
Gute Nachricht für die Belegschaft: Die Bundesagentur für Arbeit hat den rund 9.650 Beschäftigten der Warenhausgesellschaft Anspruch auf Insolvenzgeld bewilligt. Heikel war der Fall, weil aus der Insolvenz von 2024 noch nicht alle Folgen abgeklungen waren. Entscheidend war letztlich: Der Betrieb war nach 2024 auf ein neues Unternehmen übertragen worden, das sich rechtlich nicht in der Planüberwachung befindet.
Das Insolvenzgeld wird über eine Bank vorfinanziert, damit es schnell ausgezahlt wird. Galeria teilte mit: „Die Beschäftigten erhalten somit für die Monate Oktober, November und Dezember ihre Löhne und Gehälter.“ Damit ist der Geschäftsbetrieb vorerst gesichert – die 83 Warenhäuser bleiben geöffnet.
Kurzzeitig unsicher ist nur die Lage eines Teils der Belegschaft: Für die Gastronomie- und Lebensmittelsparte läuft ein separater Insolvenzantrag.
Weihnachtsgeschäft gerettet: Massedarlehen von Gordon Brothers
Am 20. Oktober meldete Galeria die nächste wichtige Entwicklung: Das Unternehmen hat mit dem US-Investor Gordon Brothers ein sogenanntes Massedarlehen vereinbart. Das Amtsgericht Düsseldorf und der Gläubigerausschuss haben die Finanzierung bereits gebilligt. Die Höhe nennt Galeria nicht.
Ein Massedarlehen nimmt ein Unternehmen während des laufenden Insolvenzverfahrens auf – der Geldgeber rückt dabei in der Gläubigerliste nach vorn und trägt ein geringeres Risiko. Das Geld fließt in den laufenden Betrieb und vor allem in den Wareneinkauf für das Weihnachtsgeschäft. Galeria spricht von „deutlich mehr Spielraum“ und erklärt: „Damit ist der kontinuierliche Warenzufluss gesichert.“
Für Kunden ändert sich praktisch nichts: Gutscheine sind wieder einlösbar, Neukäufe laufen ohne Einschränkung, und auch die Prüfung und Freigabe von Zahlungen funktioniert wieder regulär.
Welche Filialen schließen? Die Lage der 83 Standorte
Die entscheidende Frage ist weiter offen: Von den 83 Warenhäusern werden am Ende voraussichtlich nicht alle übrig bleiben. Insolvenzverwalter Kebekus sagte im Gespräch mit dem ZDF, er halte das Warenhaus grundsätzlich für überlebensfähig – die Sanierung gehe aber nur „mit harten Einschnitten“. Jedes Haus soll einzeln auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Eine Schließungsliste gibt es bislang nicht.
Schon im Juli hatte Galeria bundesweit 33 Filialen auf den Prüfstand gestellt. Das Unternehmen wollte mit den Vermietern über Konditionen und Flächenanpassungen verhandeln – ohne tragfähige Lösung ist die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet. In Baden-Württemberg stehen nach den Sommer-Angaben fünf Häuser auf der Liste: Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen. Auch Standorte in Berlin, Köln, München und Mainz wurden genannt.
Warum Galeria immer wieder in der Krise steckt
Die aktuelle Krise hat mehrere Ursachen. Der Konzern, hervorgegangen aus der Fusion von Kaufhof und Karstadt, kämpft seit Jahren mit dem Niedergang des stationären Einzelhandels, hohen Mieten in Innenstadtlagen und den Folgen der Signa-Insolvenz. Nach dem Verfahren Anfang 2024 stiegen der US-Investor NRDC und die Holding von Bernd Beetz ein, die Zentrale zog von Essen nach Düsseldorf, und die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden.
Wie stark Galeria geschrumpft ist, zeigen Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI: Der Marktanteil der Kauf- und Warenhäuser sank seit 2000 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. 2019 machte der Konzern mit 174 Filialen noch 4,5 Milliarden Euro Umsatz, 2025 mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch rund 2 Milliarden Euro.
Finanziell eng wurde es im Sommer 2026: Der US-Finanzinvestor Bain Capital hatte Galeria rund 60 Millionen Euro zu einem Zinssatz von etwa 14 Prozent geliehen. Als ein Teil zurückgezahlt werden musste, geriet der Konzern an seine Grenze. Ende Juni folgte eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers, abgesichert durch die Ware in den Häusern und geknüpft an einen dreijährigen Sanierungsplan mit weiteren Schließungen.
Wie geht es weiter?
Vieles hängt nun von Insolvenzverwalter Kebekus ab. Seine Linie ist klar: Prüfen, verhandeln, schrumpfen. Parallel laufen die Gespräche mit Vermietern über günstigere Mieten und kleinere Flächen. Die Gewerkschaft ver.di warnt schon jetzt, dass ein Kredit die Ursachen der Krise nicht beseitigt – und kritisiert, dass Beschäftigte in der Sanierung oft auf Gehaltsbestandteile verzichten mussten: Viele verdienen nach Gewerkschaftsangaben bis zu 30 Prozent weniger als Kollegen mit Flächentarifvertrag.
Sicher ist bisher nur: Alle 83 Häuser bleiben vorerst geöffnet, die Gehälter sind bis Dezember abgesichert, und das Weihnachtsgeschäft ist finanziert. Welche Standorte den Sanierungskurs überstehen, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.
Häufige Fragen zu Galeria
Ist Galeria insolvent?
Ja. Am 2. Oktober 2026 stellte die Warenhauskette zum vierten Mal seit 2020 einen Insolvenzantrag. Das vorläufige Verfahren läuft, Insolvenzverwalter ist Frank Kebekus.
Bleiben die Galeria-Filialen geöffnet?
Vorläufig ja. Alle 83 Warenhäuser sind weiterhin geöffnet. Ob alle Standorte erhalten bleiben, ist noch nicht entschieden.
Kann ich Galeria-Gutscheine noch einlösen?
Ja. Nach Angaben des Unternehmens sind Gutscheine wieder einlösbar, Neukäufe laufen ohne Einschränkung.
Ist das Weihnachtsgeschäft bei Galeria gesichert?
Das Unternehmen hat sich am 20. Oktober ein Massedarlehen gesichert, das den Warennachschub für die Wochen vor Weihnachten finanziert.
Wer ist der Insolvenzverwalter von Galeria?
Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus. Er hat bereits die Galeria-Insolvenzen von 2020 und 2022 begleitet.



