Der Oktober ist an der Wall Street mit einem Knall zu Ende gegangen – und Intel steht im Mittelpunkt. Die Aktie des Chipkonzerns ist am Freitag, dem 30. Oktober 2026, um fast 29 Prozent eingebrochen. Es war der schlechteste Handelstag für Intel seit 1974. Damals, am 5. Juli 1974, war die Aktie um fast 30 Prozent gefallen. Selbst der Einbruch vom August 2024 um rund 26 Prozent war kleiner als der jetzige.
Was Intel ausgelöst hat
Auslöser war die Prognose für das Schlussquartal. Intel erwartet für das vierte Quartal einen Umsatz von 15 bis 16 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit rund 17 Milliarden Dollar gerechnet. Auch beim Gewinn liegt die Prognose deutlich unter den Erwartungen: Intel rechnet mit einem bereinigten Gewinn von 0,25 Dollar je Aktie, während die Wall Street 0,43 Dollar erwartet hatte.
Der UBS-Analyst Timothy Arcuri merkte an, dass das Umsatzziel selbst hinter den pessimistischsten Schätzungen zurückbleibe. Die Analysten von D.A. Davidson stuften die Aktie daraufhin von „Kaufen“ auf „Neutral“ herab.
Dabei war das abgelaufene Quartal selbst gar nicht schwach: Der bereinigte Gewinn lag bei 0,52 Dollar je Aktie und damit über den Erwartungen. Der Umsatz im Rechenzentren-Geschäft stieg im Jahresvergleich um rund 78 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Doch an der Börse zählt oft weniger, was war, als was kommt – und die Aussicht enttäuschte.
Warum die Prognose so schwach ausfällt
Intel nennt mehrere Gründe. Zum einen schwächelt der PC-Markt weiter. Finanzchef David Zinsner sagte, man sehe die PC-Abschwächung mindestens bis in die erste Hälfte des kommenden Jahres andauern. Weltweit gingen die PC-Lieferungen im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 4 Prozent zurück.
Zum anderen belasten steigende Speicherkosten und knappe Bauteile das Geschäft. Dazu kommt ein Werksstillstand in Israel: Nach einer Explosion, bei der zwei Arbeiter ums Leben kamen und ein dritter schwer verletzt wurde, stand die Fabrik länger still. Der Ausfall bei 10-Nanometer-Chips soll den Umsatz über zwei Quartale um rund 600 Millionen Dollar drücken.
Intel-Chef Lip-Bu Tan, der das Unternehmen seit März 2025 führt, verwies in der Telefonkonferenz auf den Druck bei den PC-Verkäufen durch steigende Speicherpreise und begrenzte Verfügbarkeit von Bauteilen.
Der Ausverkauf reißt den ganzen Tech-Sektor mit
Der Intel-Absturz war nur die Spitze eines breiten Tech-Ausverkaufs. Der Nasdaq Composite fiel am Freitag um 2,9 Prozent, der Nasdaq 100 sogar um 3,46 Prozent auf 28.384,85 Punkte – der größte Tagesverlust seit Anfang Juni. Der S&P 500 gab um 1,82 Prozent auf 7.580,07 Punkte nach, der Dow Jones um 1,09 Prozent auf 51.770,31 Punkte.
Der Nasdaq Composite liegt damit 7,8 Prozent unter seinem jüngsten Hoch. Der Oktober war für den Nasdaq der schlechteste Monat seit März 2025, mit einem Minus von mehr als 5 Prozent. Der Nasdaq 100 steht kurz vor einer Korrektur, also einem Rückgang von 10 Prozent vom Hoch.
Auch andere Schwergewichte verloren deutlich: Nvidia fiel um mehr als 4 Prozent und rutschte unter die Marke von 5 Billionen Dollar Börsenwert – womit Apple im Rennen um das wertvollste Unternehmen der Welt wieder vorbeizog. AMD verlor mehr als 10 Prozent, Broadcom über 5 Prozent, Qualcomm rund 11 Prozent. Der Speicherhersteller Sandisk, einer der großen Profiteure des KI-Booms, gab um 13 Prozent nach. Reddit büßte fast 30 Prozent ein, nachdem die Nutzerentwicklung enttäuscht hatte.
Die KI-Rechnung wird fällig
Hinter dem Ausverkauf steht eine größere Frage: Zahlt sich der gigantische KI-Ausbau überhaupt aus? Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet – die vier großen „Hyperscaler“ – gaben am Freitag jeweils um 1 bis 2 Prozent nach, nachdem sie schon in der Woche zuvor deutlich verloren hatten.
Die vier Konzerne stemmen zusammen mehr als ein Drittel aller Investitionen der aktuellen S&P-500-Unternehmen der vergangenen zwölf Monate – und ihr Anteil dürfte nach Einschätzung von Capital Economics weiter steigen. Anleger fragen sich zunehmend, ob die enormen Ausgaben für Rechenzentren und Chips genug Ertrag bringen.
Amazon enttäuschte zusätzlich mit der Umsatzentwicklung seiner Cloud-Sparte AWS: Die Aktie sackte zeitweise um bis zu 6 Prozent ab und schloss noch mit einem Minus von 1,4 Prozent. Amazon hält an geplanten Investitionen von 220 Milliarden Dollar für 2026 fest. Alphabet war bereits am Donnerstag um mehr als 12 Prozent gefallen, nachdem Sorgen über überzogene KI-Ausgaben neu angeheizt worden waren.
Insgesamt verloren Tech-Unternehmen am Freitag mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert. Der Philadelphia-Halbleiterindex fiel um rund 7 Prozent.
Auch die US-Regierung spürt den Einbruch
Betroffen ist auch die US-Regierung: Sie hatte im August 2025 einen Anteil von 9,9 Prozent an Intel gekauft – zu 20,47 Dollar je Aktie. Der Wert dieser Beteiligung sank am Freitag um rund 10 bis 12 Milliarden Dollar, liegt aber weiterhin etwa beim Dreifachen des Kaufpreises. Auch Nvidia, das ebenfalls einen großen Anteil an Intel hält, verlor rund 6 Milliarden Dollar an Wert seiner Beteiligung.
Für Intel selbst ist der Einbruch ein Rückschlag nach einem starken Jahr: Vor dem Absturz war die Aktie 2026 um fast 80 Prozent gestiegen. Der Börsenwertverlust an einem einzigen Tag liegt bei rund 140 Milliarden Dollar.
Was in der kommenden Woche wichtig wird
Die Börsenwoche, die jetzt beginnt, bringt gleich mehrere Prüfsteine. Am Dienstag, dem 3. November, finden in den USA die Zwischenwahlen statt. Außerdem legen Apple und AMD ihre Quartalszahlen vor, und der Arbeitsmarktbericht für Oktober wird veröffentlicht. Alle drei Termine dürften zeigen, ob der Tech-Ausverkauf eine kurze Korrektur bleibt oder ob die Zweifel an den KI-Investitionen länger anhalten.
Häufige Fragen zum Intel-Absturz
Wie stark ist die Intel-Aktie gefallen?
Um fast 29 Prozent an einem einzigen Handelstag, dem Freitag, 30. Oktober 2026. Es war der schlechteste Tag für die Aktie seit Juli 1974.
Warum ist die Aktie so stark gefallen?
Wegen einer schwachen Prognose für das vierte Quartal: Intel erwartet 15 bis 16 Milliarden Dollar Umsatz statt der erwarteten rund 17 Milliarden, und einen bereinigten Gewinn von 0,25 Dollar je Aktie statt 0,43 Dollar. Hinzu kommen die schwache PC-Nachfrage, steigende Speicherkosten und ein Werksstillstand in Israel.
Ist der ganze Tech-Sektor gefallen?
Ja. Der Nasdaq Composite verlor 2,9 Prozent, der Nasdaq 100 3,46 Prozent. Auch Nvidia, AMD, Broadcom, Qualcomm, Amazon und Reddit gaben deutlich nach. Insgesamt verloren Tech-Unternehmen an diesem Tag mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert.



