Eigentlich sollte die geplante Tabaksteuererhöhung erst am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Doch wegen einer Panne im Bundesfinanzministerium gilt sie laut veröffentlichtem Gesetzestext bereits seit dem 21. Oktober 2026. Was ist da schiefgelaufen – und was bedeutet das für Raucher und Händler?
Was ist passiert?
Das „Gesetz zur Änderung des Tabaksteuergesetzes“ wurde am 20. Oktober 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet. Ganz am Ende des Textes heißt es: „Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft“ – formal also am 21. Oktober. Bundestag und Bundesrat hatten die Reform Mitte Oktober beschlossen; der erklärte Wille des Gesetzgebers war aber, dass die höheren Steuersätze erst ab dem 1. Januar 2027 gelten sollen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums räumte einen „technischen Fehler beim Datum des Inkrafttretens“ ein. Eine formelle Berichtigung sei bereits angestoßen und die Generalzolldirektion entsprechend informiert worden.
Warum die Panne so ernst ist
Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie warnte laut dpa: Nach dem Wortlaut des verkündeten Gesetzes würden sofort höhere Steuersätze greifen, die eigentlich erst für das Jahr 2030 vorgesehen sind. Weil die dafür notwendigen neuen Steuerzeichen gar nicht vorhanden sind, hätte die Produktion theoretisch gestoppt werden müssen. Nach Angaben des Ministeriums dürfen Hersteller aber weiter ausliefern und Händler bestehende Bestände regulär verkaufen – der Zoll setzt die verfrühte Regelung vorerst nicht durch. Hersteller wie Philip Morris, die am 21. Oktober ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegten, hatte das Versehen kurz vor der Veröffentlichung für Unsicherheit gesorgt.
Was ab 2027 wirklich geplant ist
Die Steuer steigt ab 2027 in vier Stufen bis 2030. Für Zigaretten sind laut Beschlussempfehlung des Finanzausschusses ab 2027 14,34 Cent je Stück plus 21,05 Prozent des Kleinverkaufspreises fällig; 2030 dann 18,57 Cent. Eine Packung mit 20 Zigaretten könnte sich laut dpa bis 2030 um rund vier Euro auf 11,78 Euro verteuern. Bei Feinschnitt steigt die Steuer von 75,80 auf 121,71 Euro je Kilogramm, bei Liquids für E-Zigaretten von 0,38 auf 0,44 Euro je Milliliter. Für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak gelten die neuen Sätze ab dem 1. März 2027. Die Erhöhung soll dem Bund rund 1,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen bringen; 2025 nahm der Bund 17,6 Milliarden Euro durch die Tabaksteuer ein.
Häufige Fragen zur Tabaksteuer-Panne
Gilt die höhere Tabaksteuer jetzt schon?
Formal ja, seit dem 21. Oktober 2026 – aber nur durch einen Fehler im Gesetzestext. Der Zoll wendet die verfrühten Sätze nicht an; die Berichtigung läuft bereits.
Werden Zigaretten jetzt sofort teurer?
Nein, zumindest nicht durch diese Panne: Bestände mit alten Steuerzeichen dürfen regulär verkauft werden. Die Erhöhung startet planmäßig ab 2027.
Wie teuer wird eine Packung Zigaretten?
Laut Modellrechnung könnte eine 20er-Schachtel bis 2030 rund 11,78 Euro kosten – rund vier Euro mehr als heute.
Was bringt die Erhöhung dem Staat?
Der Bund rechnet mit rund 1,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen; die Steuer wird in der Regel über die Preise an die Käufer weitergegeben.
